Fotos(sorry für die chaotische reihenfolge, hab grad keine lust mehr):
Bordj el Kebir auf Djerba(ständig wechselnde besitzer & bauherren)
Jugendherberge Djerba
Tintenfisch-Fischer & Tonkrüge, in denen sich die Tiere einnisten - anschließend einfach schnell hochziehen
Guermessa
Ghomrassen
Kameraexperimente
Sonnenaufgang über Tataouines Bergen (Neujahr um 7 aufgestanden, weil wir aus herberge rausmussten; sylvester um 11 im bett gewesen & gelesen; rentnermäßiger wars bisher noch nie ;-)
Ferien, wie geil! Habe in der letzten woche meine klausuren & ein, zwei andere kleine arbeiten hinter mich gebracht und das auch halbwegs zufriedenstellend, zumindest was das gefühl angeht. In der lotterie, ob in der klausur ein kurs geprüft wird, an dem ich auch teilgenommen habe und nicht stattdessen ein kurs, der auf arabisch gehalten wurde, habe ich nur einmal den kürzeren gezogen, was zwar schade war, weil ich eigentlich gut vorbereitet gewesen wäre, aber gut, nichts zu machen und das war ja von vornherein absehbar. Bin gespannt, inwiefern ich mit meinem versuch, nicht nur das im kurs gelernte - genauer gesagt diktierte - möglichst originalgetreu wiederzugeben, sondern auch ein wenig damit zu argumentieren, die anforderungen der lehrenden erfüllt habe, ich fands zumindest nicht schlecht und hab zugleich gemerkt, dass ein wenig auswendig lernen manchmal auch nicht so schlecht ist, um ein gewisses grundlagenwissen zu erwerben & hoffentlich auch zu behalten. In der ersten klausur wusste ich nicht so recht, wie der hase läuft, und habe erst ne halbe stunde vor abgabe geckecht, dass die losen zettel lediglich schmierzettel sind und ich eigentlich in ein heft schreiben muss. Nun ja, das wurde dann etwas stressig und letztlich bin ich nicht 100%ig fertig geworden, aber ich denke, dass meine schmierzettel mit berücksichtigt werden dürften. Und für die nächsten beiden klausuren wusste ich bescheid. Soviel zur klausurenphase…
Seit dem angriff des israelischen militärs auf den gaza-streifen ist dieses thema hier sehr präsent. Schon ende letzten jahres ist es mir mehrfach passiert, dass mich fremde leute darauf angesprochen haben, ob ich davon wüsste, was sich gerade im gaza-streifen abspielt & was ich davon halte. Allein diese tatsache & dass der krieg durch viele fernseher in cafés, geschäften etc. & die stetige berichterstattung auf vielen arabischen fernseh-kanälen wie al jazeera omnipräsent ist, finde ich zunächst einmal bemerkenswert. Hinzu kamen bekannte, die mir von ihrer wahrnehmung des konflikts erzählt haben, bspw. unser silat-meister, der u.a. aus diesem grund auf neujahrs-festlichkeiten verzichtet hat, und eine bekannte, die sagte, ihre ferien seien nicht gut gewesen, der konflikt habe sie sehr beschäftigt. Und seit Donnerstag nun auch die ersten –solidaritäts-demonstrationen, die ich selbst mitbekommen habe, u.a. an unserer fakultät, mit einem ordentlichen polizei-aufgebot, angeblich da diese im gegensatz zu einer anderen demo nicht genehmigt & nicht von der regierungspartei organisiert worden war. Es gab weitere demos in unserem viertel, v.a. von schülern, & einen versuchten solidaritäts-abend im städtischen theater, welcher aber durch polizei-einsatz so gerade eben verhindert werden konnte. Dies waren nicht die ersten demos, die ich hier miterlebt habe und ich werde mich mit urteilen über die möglichkeiten zu demonstrieren zurückhalten, aber allein das ausmaß der auseinandersetzung & identifikation mit dem palästinensisch-israelischen konflikt finde ich enorm. In den meisten gesprächen habe ich recht wenig kritische punkte zum thema hamas gehört & während einer demonstration wurden sogar sprechchöre zur unterstützung des bewaffneten widerstands durch die hamas gesungen… aus der wahrnehmung der palästinenser als „kolonialisierte & unterdrückte“ ist dies ja auch naheliegend. Dennoch fände ich die suche nach friedlichen kompromissen doch weitaus vielversprechender.
Großer themensprung: weihnachten & die ferien. War am heiligabend das erste mal seit einigen jahren mal wieder in einer kirche & hab die atmosphäre genossen – wer auch immer, er/sie erspare sich bitte den kommentar, dass ich erst nach tunesien gehen musste, um mal wieder eine kirche zu betreten ;-) leider hat der priester seine vermutlich dritten zähne nicht so recht auseinander bekommen, so dass ich nicht allzu viel von der predigt verstanden habe – mit meinen französisch-kompetenzen hatte das selbstverständlich nichts zu tun - aber licht, musik und weihrauch sowie das ewige aufstehen & sich wieder hinsetzen waren schon völlig ausreichend. Zudem bestanden chor & besucher zu 90% aus schwarzen & es waren auch einige eher sub-saharisch anmutende elemente im gottesdienst zu erkennen – der power-chor wurde u.a. von einer djembe-trommel begleitet & das beste bild des abends war wohl die ihre hüften zur musik kreisen lassende schwarze, die dem greisen priester einen geschenk-korb überreichte. Den rest des abends haben Manuel, Alex & ich bei Alex verbracht, gut gegessen & getrunken. Am nächsten tag sind Manuel & ich endlich in einen hammam, eine art sauna mit etwas moderateren temperaturen gegangen. Das war superentspannend, besonders wenn man bedenkt, dass die heizung in unserem foyer (noch?) nicht funktioniert & es dank der luftfeuchtigkeit recht ungemütlich werden kann. Beim nächsten mal werde ich vielleicht auch mal ne massage ausprobieren. Bis zum 28. habe ich mich dann schon mal ein wenig auf die klausuren vorbereitet, um am 28.12. dann mit Jesus, einem typen aus meinem arabisch-kurs, in richtung süden zu fahren. waren erst für zwei tage auf Djerba, welches nicht sonderlich „spektakulär“, aber dank höherer temperaturen, dem meer & dem wiedersehen mit Mohamed, einem bekannten aus der jugendherberge in tunis, sehr angenehm & entspannend war. Haben in der mal wieder sehr empfehlenswerten jugendherberge geschlafen, ein wenig die insel erkundet & Mohamed hat uns sein dörfchen und sein zuhause gezeigt. Anschließend sind Jesus & ich weiter in den süden tunesiens nach Tataouine gefahren. Landschaftlich sehr reizvoll, sowohl bergig als auch recht trocken & rau, wieder mal kamen karl may-erinnerungen auf. Auch dort haben wir in der netten jugendherberge gewohnt & sind von Tataouine aus in zwei umliegende alte bergdörfer gereist, die nicht mehr besiedelt sind, sondern deren ehemalige bewohnerschaft(Berber) nicht weit von dem alten dorf in einer „moderneren“ siedlung lebt. Landschaftlich mal wieder großes kino, aber wie schon beim table de jughurta blieben für mich zu viele fragen, was das leben der leute in den hoch gelegenen, in den fels geschlagenen häusern angeht, offen, um ein lebhaftes bild von dem zu bekommen, wie das leben dort einmal aussah & wie ihre lebenssituation nun aussieht. Einen guide hatten wir leider nicht gefunden, das war u.a. der preis dessen, nicht in eines der anderen, angeblich „touristisch besser erschlossenen“, stärker überfluteten dörfer zu fahren, aber gut, für das nächste mal habe ich meine lektion nun hoffentlich gelernt & werde mich intensiver um nen guide kümmern, ansonsten bleiben die besuche irgendwie eher auf dem „wow, geil, anders, fremd, exotisch“-level stehen.
So, sorry, dass es mal wieder so viel text geworden ist, bin aber halt nicht so der kontinuierliche schreiber. Zu den nächsten wochen nur so viel: kann nun pläne machen, wie ich den rest meiner zeit hier nutzen möchte, genügend spannende möglichkeiten gibt’s in jedem fall.
All right, Euch allen nur das beste & ein frohes neues jahr übrigens auch noch!
david