Dienstag, 23. Dezember 2008

Schafe überall – Aid El Itha

So, nach langer ruhe mal wieder ein paar neuigkeiten, wobei sie z.T. auch nicht mehr so aktuell sind. zunächst einmal wären da der 8., 9. & 10. Dezember zu erwähnen, während derer die uni ausfiel & das opferfest, das wichtigste fest im islamischen kalender, gefeiert wurde (erinnert daran, wie Abraham von gott aufgefordert wurde, seinen sohn zu opfern & nachdem er sich dazu durchgerungen hatte, gehorsam zu sein, gott ihn in letzter sekunde stattdessen ein schaf schlachten ließ) es war zunächst einmal ein angenehm ruhiges, verlängertes wochenende. die tage zuvor konnte man die vorbereitungen auf das fest schon allerorten in Tunis sehen & hören, denn überall wurden schafe verkauft, nach hause transportiert & abends hörte ich oft ihr blöken von den balkonen. Ali, ein „angehender Freund“ aus der uni hatte mich für den Montag zu seiner familie eingeladen & ich durfte der schlachtung (nicht so toll ;-), dem anschließenden grillen & familien-essen beiwohnen. Ich wurde mal wieder mit gastfreundschaft überhäuft & konnte endlich mal ein bißchen mehr familien-leben miterleben. Die mutter & Alis schwestern verbrachten wohl einen großteil des tages in der küche, um verschiedenste mehr oder weniger typische opferfest-gerichte zuzubereiten. Spannend fand ich v.a., dass wirklich fast alles vom schaf verwendet wird – auf das angebot gegrillter hoden kam ich aber nicht zurück, obwohl mich die evtl aphrodisierende wirkung schon interessiert hätte ;-) Alis Familie ist sie nicht, aber es gibt familien, in denen auch die familien-juwelen ihre verwendung finden. Ali & ich verbrachten den tag dann damit, gut zu essen – hausmannkost ist halt doch was anderes als das, was ich mir sonst so auf der straße oder in den günstigen restaurants gönne – und fotos anzuschauen, musik zu hören etc. es gibt wohl auch einige typische lieder für das opferfest, was mich ein wenig an weihnachten erinnerte, auch wenn es bei weitem nicht so viele zu sein scheinen. Ach ja, das schaf soll natürlich mit respekt behandelt werden, radio Mosaik hat sogar nen wettbewerb organisiert, wessen schaf das schönste ist.
Was gab es sonst so in den letzten wochen?
Die „journées du cinéma européen“ hatten einige tolle filme zu bieten, u.a. „cinecitta“(tunes. Banküberfall-komödie mit großem humor), „northern light“(niederl.(klar;-), vater-sohn-beziehung nach tod der mutter), „am ende kommen die touristen“(dtsch-poln. Film über zivildienst in Oswiecim, ehemals ausschwitz), „un franco, 14 pesetas“ (span. Film über arbeitsmigranten in der schweiz) – und bald geht’s mit den russischen filmtagen weiter, wobei ich mich dank meinem mitbewohner Mattoussi gerade eigentlich mehr für das tunesische kino bzw (halb so selbstgefällig) für tunesische filme interessiere – ist ja auch nicht so weit hergeholt ;-)
Ach ja, mittlerweile ist es hier gelegentlich arschkalt, zumindest gefühlt dank der hohen luftfeuchtigkeit. Aber heute hab ich gesehen, dass es trotzdem noch 16° grad waren. Hätte dennoch wärmere klamotten einpacken sollen, na ja, beim nächsten mal.
Hab meine ersten arabisch-prüfungen gut hinter mich gebracht. nach den 14 tagen ferien, die es hier für die schulen & unis gibt, geht’s anfang januar direkt mit drei klausuren an der uni weiter, wobei das ein bißchen lotterie-spielen wird, da es sich um modul-klausuren handelt, in denen ein kurs des moduls nach dem zufallsprinzip geprüft wird, und ich nur jeweils an einem der kurse der module teilgenommen habe, da der jeweils andere auf arabisch war. Aber gut, on verra…
Mir geht’s grad recht gut, genieße die ruhe in „meinem“ zimmer, die sich sonst, wenn Mattoussi da ist, eher selten bei mir einstellt. Die meisten bewohner des foyers sind nach hause gefahren & nur die internationalen studierenden sind geblieben, will heißen derzeit Manuel, Hassan (Burundi) & ich. Und ich werde in den nächsten tagen noch ein wenig zeit haben, mich mit neuen bekannten zu treffen & 5 grade sein zu lassen.
Euch allen erst mal ein paar schöne weihnachtstage!
Liebe grüße!

david


fotos:
die nachgereichte, gepimpte ente inklusive fahrer und Alex vor dem table de jugurtha

ausflug ins restaurant, in dem Mattoussi seine "restaurant-manager-pruefung" zu bestehen hatte; war sehr angenehm und lecker; beteiligt: Manuel, Alex, Martina und ich

El Mattous, mein mitbewohner

"mein chill out-point" im parc de belvedère, mit ausblick ueber tunis, dazu pick-nick und hermann hesse

Ali, schlachter und schaf

Ali mit seinen Eltern

Che war Esperance-fan