Mittwoch, 12. November 2008

Kino-Flash…

Ich möchte hier gar nicht in die details des hiesigen film-festivals einsteigen, aber dennoch ein paar wenige sätze zu diesem für mich großartigen event verlieren. Die Journées Cinématographiques de Carthage (JCC) finden hier jedes zweite jahr statt und hatten zumindest in diesem jahr einiges zu bieten. Filme aus aller herren länder und besonders viele werke, die in wahrscheinlich nicht so leicht in europäischen kinos zu finden sein werden, bspw. eine kollektion palästinensischer filme unter dem motto „gegen das vergessen“ – fand einige dieser filme sehr interessant, da sie einige spannende, aber auch sehr harte eindrücke aus gebieten vermittelten, deren lebensumstände mich doch sehr an das erinnern, was ich so von der apartheit gehört & gelesen habe. Zugleich zeigten sie das leben einiger menschen, die sich oftmals militärischer gewalt bis willkür ausgesetzt sehen und dies in ihrem alltag bspw. mit sehr schwarzem humor behandeln. leider haben die filme, die ich gesehen habe, allerdings auch nur eine seite des konflikts & diese etwas schwarz-weiß beleuchtet – aber aus der perspektive derer, die sich gegen eine empfundene kolonisation wehren, erscheint das zumindest rational, wenn auch aus meiner sicht nicht gerade besonders hilfreich bei der suche nach kompromissen.
Einige filme die ich auf jeden fall ausdrücklich empfehlen kann, sind der schon erwähnte film „entre les murs“ – Nico & bwana, könnte mir gut vorstellen, dass er Euch sehr gut gefallen würde, tolle „nahaufnahmen“ der umgangsformen zwischen schülern & lehrern - , „lettres au Sahara“ – ausführliche & vielseitige schilderung der geschichte eines senegalesischen boots-flüchtlings & seines weges durch Italien - , „le sel de la mer“ – „liebesdrama“ mit besonderen hindernissen in Palästina/Israel - , „it’s a free world“ – harte kost von Ken Loach über eine job-vermittlerin, die ihre goldgrube unter neu angekommenen migrantInnen gefunden zu haben glaubt - , „recycle“ – doku über ehemaligen leibwächter verschiedener taliban-größen, die sein leben nach der rückkehr nach jordanien – in den geburtsort von al zarqaoui – sehr alltagsnah dokumentiert - , „le chaos“ von Youssuf Chahine – großes gefühlskino à la bollywood mit mehr als unterschwelliger kritik an den politischen machthabern Ägyptens – nicht, dass ich davon eine ahnung hätte, aber einige der kritikpunkte sind sicher auch für Tunesien gültig. Dazu kommen unzählige kurzfilme, wo dann auch das tunesische kino bei mir ganz gut punkten konnte, u.a. durch die doku über einen neunjährigen jungen, der mit begeisterung recht gewalttätige comics zeichnet, deren helden von superman, batman, spiderman & co. inspiriert sind und deren größter feind „busharon“ heißt. Zugleich zeigte sich der junge aber als recht friedfertig & sagte, dass ganze sei nur in seinem kopf, mit seinen zeichnungen könne man keinen krieg führen & in wirklichkeit möge er krieg nicht. Und die besorgten eltern… - die mediengewalt-debatte findet auch hier statt.
In jedem fall habe ich die zeit genossen, war aber nach der woche auch froh, einen abend bzw. eine nacht mit anderen internationalen studierenden halloween zu feiern, endlich mal wieder zu tanzen & mal keinen film zu sehen ;-)
Ein weiteres mediales highlight ist dann aber doch noch erwähnenswert – Dienstag nacht mit einigen anderen leuten, Manuel, Alex (Belgien) und einigen US-AmerikanerInnen, die wahlnacht live über CNN, BBC und Al Jazeera verfolgt – untermalt von der ersten intensiveren weinprobe hier in tunesien. Und morgens um fünf bei verkündung des vorläufigen ergebnisses und um sechs zur rede Obamas dann bewegende momente, als einige der Amis tränen in den augen hatten – und ich mich an den gedanken gewöhnen musste, auf einmal möglicherweise auf US-amerikanerInnen wegen ihres präsidenten neidisch zu sein ;-) – das ist immerhin ne ganz schöne kehrtwende.

Alles liebe hier von meiner seite erst mal, bald gibt’s was aktuelleres!
greetz


Zu den fotos – das russische kultur- und wissenschaftszentrum in tunesien hat eine ganz besonders ausgeklügelte strategie, wie es männliche studierende anzuziehen hofft.


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