Am nächsten tag fragten wir noch in Thala (übrigens auf gut 1000m gelegen & nachts verdammt kalt) einen polizisten – großartige idee ;-) – nach dem weg nach Kasserine und wurden prompt um unsere personalausweise gebeten und nach einigen telefonaten wollte man uns mit dem auto nach Kasserine fahren. Nachdem wir dann aber klargemacht hatten, dass es uns gerade ums zu fuß gehen ging, gaben sich die besorgten ordnungshüter dann aber mit unseren telefonnummern zufrieden und versprachen, uns regelmäßig anzurufen. Und sie sagten uns, wir sollten den großteil der strecke auf der hauptstraße bleiben, was trotz der schön rauhen landschaft mit vielen fruchttragenden kakteen nach einiger zeit etwas monoton wurde, aber zumindest von den anrufen verschiedenster ordnungshüter – polizei Thala, garde national… - und den häufigen angeboten vorbeifahrender leute, uns mitzunehmen, aufgelockert wurde. Und irgendwann begegneten wir dann auch dem ersten polizeiauto, dessen insassen uns das übliche angebot unterbreiteten. Wenig später, laut karte nach 30 km auf der hauptstraße, bogen wir endlich ab auf eine kleinere straße, die uns in eine weitere kleinstadt führen sollte, von wo wir dann eine louage nach Kasserine nehmen wollten. Die gegend war noch schöner & ruhiger, doch von nun an hatten wir auch unsere aus verschiedenen autos bestehende polizei-eskorte, die uns folgte oder zumindest alle paar minuten an uns vorbeikam & um unser wohlbefinden besorgt schien. Als wir unsere mittagspause einlegten, parkte ein auto ca. 200 m entfernt und kam nach ca. 40 minuten zu uns herübergefahren – die immer äußerst freundlichen polizisten ermahnten uns, wir müssten nun aber wirklich los, sonst würde es nichts mehr mit der louage nach Kasserine. Also machten wir uns auf den weg und beteuerten von nun an immer wieder, wir würden uns beeilen, wenn die guten männer uns mitnehmen wollten. Nach abermals 10 km kamen wir an & wurden von einem der polizisten zur louage-station geleitet und freundlichst verabschiedet. Die fahrt führte durch eine abermals phantastische landschaft nach kesserine, welches zwischen drei bergen, darunter mit dem Djebel Chambi der höchste berg tunesiens, gelegen ist. was uns die ehre unserer persönlichen eskorte verschaffte, war uns nicht 100%ig klar & wir haben verschiedene erklärungen parat – die angst davor, dass touristen verschwinden könnten, ist seit der entführung einiger österreichischer touris mitte diesen jahres wohl gut verständlich, erst recht an der algerischen grenze, auf deren anderer seite nicht gerade ruhe zu herrschen scheint. Laut auskunft des auswärtigen amtes beginnt die gefahrenzone aber erst ein ganzes stück weiter südlich, sowohl in Tunesien wie in Algerien. Aber auch die theorie eine grenzpsychose, die wohl jeder polizeistaat hat, scheint nicht so völlig abwegig – oder die übereinkunft der beiden regierungen, sich gegenseitig gegen internationale aufmerksamkeit bspw. in form von berichterstattung über die jeweiligen krisengebiete, zu schützen. Wie dem auch sei, hoffentlich haben wir den polizisten nicht allzu viel probleme bereitet – hätten sie ja nach all ihren mühen gerne noch zu nem tee eingeladen, aber wir sollten ja möglichst bald weiterziehen. Die nacht verbrachten wir in nem netten hotel, wieder bier zum abendessen – bei anderen auch schon zum frühstück ;-) - und nach 12 std schlaf ging es per louage zurück nach tunis.
Dort angekommen, bin ich dann abends noch auf ein konzert gegangen, welches schon den ganzen tag gedauert hatte. Leider kam ich zu spät, um cover-versionen von coldplay und rage against the machine zu hören, aber die gruppen, die ich sehen konnte, waren auch schon den eintritt und die schweren beine wert. Und v.a. der eindruck der hiesigen „rock-szene“. Habe mich dort mit Ali, einem englisch-studenten von meiner fakultät, und seinen freunden getroffen. Nach einer für mich recht unspektakulären band kam mit „gultrah sound system“ richtung leben ins publikum – ihre art reggae mit geige ging gut ab & die leute haben ordentlich getanzt – ihre mwspace-seite hat leider noch nicht allzu viel zu bieten. Anschließend kamen zwei elektronische gruppen, die mit dem rock-publikum zwar so ihre schwierigkeiten hatten, aber nach einiger zeit doch so einige leute zum tanzen bringen konnten, u.a. auch Ali, seine Freunde & mich. Und die kondome ins publikum warfen (unbedeutendes detail am rande – wie so vieles). Alles in allem ein gelungener abend.
Am nächsten tag habe ich mir dann noch mit Ali & Murat und zwei cousins von Ali das derby zwischen den zwei größten fußball-clubs von tunis angeschaut – club africain vs. Esperance de tunis, 2:2. War unspektakulär, aber sehr nett, u.a. weil wir uns nett unterhalten haben und ich ein bißchen das gefühl von alltag bekommen habe, nach dem ich derzeit ein wenig bedarf habe.
So werde ich denn nun auch erst mal in tunis bleiben & zu arbeiten anfangen, die literatur-listen sind lang & v.a. zieht es sich hin, die bücher zu beschaffen & in lexikon-begleitung zu lesen.
Also, lasst es Euch gut gehen! und haut mal ein paar kommentare raus, wenn Ihr lust habt - bin schon so lange nicht mehr auf deutsch angepöbelt worden ;-)
zu den fotos:
blick auf und vom plateau, richtung Algerien
franzose mit umgebauter ente
morgendlicher blick ueber Thala
endlose strasse, mit Bushaltestelle und Alex
Kakteen und Kaktus-Feigen ueberall
ankunft in Kesserine