Ich habe vor mittlerweile zwei wochen meinen arabisch-kurs an der bourguiba-school angefangen und bin zumindest von der sprache sehr angetan, v.a. das alphabet zu lernen macht spaß und lohnt sich, denn so kann ich nun überall rätsel lösen, indem ich einfach nur versuche, schilder in der stadt, aushänge an der uni, beschriftungen auf verpackungen etc. zu lesen und mir ihre aussprache zusammenzureimen – auch wenn ich kein wort dessen verstehe. Aber einfach das system eines anderen alphabets zu checken ist ne schöne sache. Ich habe vier stunden unterricht pro woche und unser lehrer spricht nur arabisch, was ich vom anspruch her zwar nicht schlecht finde, aber es sorgt bei mir eben doch häufiger mal für unklarheiten und mißverständnisse und ich frage mich, ob das wirklich so besonders effektiv ist – nach meinen vorstellungen von effektivität, versteht sich ;-). Aber gut, ich habe hier im foyerund am institut, an der „fac“, einige leute, die mir bei fragen weiterhelfen können. in jedem fall nimmt mich der arabisch-kurs so einigermaßen in anspruch, denn es gibt immer etwas nachzuarbeiten, auswendig zu lernen etc.
Mittlerweile bzw. schon vor knapp drei wochen ist mein zimmergenosse eingezogen. Sein name ist Mattoussi und bisher „läuft es ganz gut zwischen uns beiden“. Die befürchtung, es könnte mir etwas an privatsphäre und ruhe mangeln, hat sich bisher noch nicht bestätigt. Er ist recht beschäftigt, er studiert tourismus und ist leidenschaftlicher bodybuilder. Haben uns letztens einen film über arnold schwarzeneggers sechsten titel als mister universum (?) angeschaut – hatte vor tunesien nicht gedacht, dass es dazu jemals kommen könnte, aber sein enthusiasmus war zu groß, um mich diesem film völlig zu entziehen ;-) übers wochenende ist er meist zuhause in seinem heimatort Mejez El Bab, ca. 50 km südwestlich von tunis. Sein vater und er haben mich nun schon mehrmals zu sich nachhause eingeladen und ich freue mich schon darauf, einen ausflug dorthin zu machen, um ihn und seine familie als auch die gegend näher kennenzulernen.
Bin bisher nur dort hindurchgefahren, als ich am letzten wochenende(Samstag bis Montag) einen ausflug nach Tabarka und Ain Draham im nordwesten tunesiens unternommen habe. Fantastische fahrten durch tolles, grünes, aber dennoch oft etwas rauh wirkendes bergland – ich fühlte mich oftmals an karl may-verfilmungen erinnert, auch wenn diese meines wissens nach v.a. im ehemaligen jugoslawien aufgenommen wurden. Tabarka ist eine nette kleinstadt, die direkt am mittelmeer liegt, mit der Kroumirie, der bergregion des nordwestens, im rücken. Derzeit wird dort kräftig gebaut, um die stadt zum nächsten touristen-zentrum auszubauen, aber derzeit scheint sich deren präsenz noch in grenzen zu halten, wohl auch angesichts der jahreszeit – auch wenn die gefühlten 28 ° mir locker reichten, um ne runde schwimmen zu gehen. Ich habe v.a. die ruhe genossen, im gegensatz zum oft lauten und etwas hektisch wirkenden tunis – auch wenn es dort schön ruhige ecken gibt. alleine zu reisen war abgesehen von ein wenig einsamkeit am Samstag abend auch in ordnung. Am sonntag bin ich dann weitergefahren nach Ain Draham und die fahrt von Tabarka dorthin war schon ein absolutes highlight, das meine morgendlichen wanderbemühungen mit hoffnung auf tolle ausblicke in tabarka locker in den schatten stellte. Genau zu dieser zeit gab übrigens auch die batterie meiner kamera ihren geist auf, so dass es bisher leider nur ein foto der busfahrt gibt. aber ich möchte auch aus vielen anderen gründen gerne nochmal dorthin fahren und ein paar mehr tage dort verbringen. Das städtchen ist malerisch in den bergen der kroumirie gelegen, ist von den französischen kolonialherren gegründet und später zum erholungsort ausgebaut worden. Dort habe ich eine sehr nette und zudem günstige unterkunft in einem der in diversen städten des landes anzutreffenden „maisons de jeunesse“ gefunden und bin dann direkt auf den Dkebel Bir (1014m, immerhin, mit fernsehturm) gestiegen, von dem aus sich nochmals fantastische ausblicke über das umliegende bergland, stauseen in der umgebung, über die grenze bis nach Algerien und bis zum meer bei Tabarka boten. Überwältigend und eindrucksvoll genug, um dort den rest des tages zu verbringen. Auf meinem rückweg in die stadt habe ich dann noch eine interessante begegnung mit einer tunesierin und einem tunesier gehabt. Ich habe die beiden aufgeschreckt, als sie sich hinter einem felsbrocken versteckt hatten, auf den ich geklettert bin. Sie machten ein pick-nick und haben mir spontan etwas von ihrem obst angeboten. Ich wollte sie nicht stören, aber sie bestanden darauf und bei wirklich sonnengereiften birnen habe ich mich nicht lange bitten lassen – auch weil die situation zugleich sehr interessant wirkte. Die beiden erzählten mir dann anschließend von selbst davon, dass sie bereits seit einiger zeit eine geheime beziehung führen, obwohl beide verheiratet sind und kinder haben. Doch das stigma einer scheidung und die auswirkungen für die kinder halten sie von einer scheidung ab. Und dann sagte die gute frau auch noch, dass sie aber zumindest ein kind ihres freundes in und trotz ihrer ehe haben möchte – ob das ein witz war, weiß ich nicht so genau. Auf jeden fall war ich dankbar für das mir entgegengebrachte vertrauen und diesen kleinen einblick.
Den rest des tages habe ich in der stadt verbracht, u.a. anderem in einem netten straßen-café mit nem guten buch. Und am nächsten morgen ging es erholt und frisch zurück nach tunis.
Hier habe ich nun neben meinen fußballerischen aktivitäten auch was gefunden, wie ich mich anderweitig auspowern kann. Ich habe mit „silat seni gayong“, einer malaysischen kampfsportart, angefangen. Mal sehen, was aus diesem weiteren kapitel in meiner persönlichen geschichte kampfsportlichen aktionismus wird. Auf jeden fall ist das training sehr anstrengend, fordert disziplin und die leute machen einen netten eindruck. Viel weiß ich allerdings noch nicht über den sport und seine „philosophie“ selbst. Da wird mir aber der „meister“ sicher weiterhelfen können.
So, zeit essen zu gehen, Manuel wartet schon. Nen sandwich, couscousmit gemüse, pizza?! Mal schaun…
Lasst es Euch gut gehen!
david
Fotos:
blick ueber die kroumirie
aiguilles-felsen in tabarka
eindruecke aus tabarka
unterwegs