Dienstag, 13. Januar 2009

Ooooohhhhh jeeeeyyyyy!


























Fotos(sorry für die chaotische reihenfolge, hab grad keine lust mehr):

Bordj el Kebir auf Djerba(ständig wechselnde besitzer & bauherren)

Jugendherberge Djerba

Tintenfisch-Fischer & Tonkrüge, in denen sich die Tiere einnisten - anschließend einfach schnell hochziehen

Guermessa

Ghomrassen

Kameraexperimente

Sonnenaufgang über Tataouines Bergen (Neujahr um 7 aufgestanden, weil wir aus herberge rausmussten; sylvester um 11 im bett gewesen & gelesen; rentnermäßiger wars bisher noch nie ;-)

Ferien, wie geil! Habe in der letzten woche meine klausuren & ein, zwei andere kleine arbeiten hinter mich gebracht und das auch halbwegs zufriedenstellend, zumindest was das gefühl angeht. In der lotterie, ob in der klausur ein kurs geprüft wird, an dem ich auch teilgenommen habe und nicht stattdessen ein kurs, der auf arabisch gehalten wurde, habe ich nur einmal den kürzeren gezogen, was zwar schade war, weil ich eigentlich gut vorbereitet gewesen wäre, aber gut, nichts zu machen und das war ja von vornherein absehbar. Bin gespannt, inwiefern ich mit meinem versuch, nicht nur das im kurs gelernte - genauer gesagt diktierte - möglichst originalgetreu wiederzugeben, sondern auch ein wenig damit zu argumentieren, die anforderungen der lehrenden erfüllt habe, ich fands zumindest nicht schlecht und hab zugleich gemerkt, dass ein wenig auswendig lernen manchmal auch nicht so schlecht ist, um ein gewisses grundlagenwissen zu erwerben & hoffentlich auch zu behalten. In der ersten klausur wusste ich nicht so recht, wie der hase läuft, und habe erst ne halbe stunde vor abgabe geckecht, dass die losen zettel lediglich schmierzettel sind und ich eigentlich in ein heft schreiben muss. Nun ja, das wurde dann etwas stressig und letztlich bin ich nicht 100%ig fertig geworden, aber ich denke, dass meine schmierzettel mit berücksichtigt werden dürften. Und für die nächsten beiden klausuren wusste ich bescheid. Soviel zur klausurenphase…
Seit dem angriff des israelischen militärs auf den gaza-streifen ist dieses thema hier sehr präsent. Schon ende letzten jahres ist es mir mehrfach passiert, dass mich fremde leute darauf angesprochen haben, ob ich davon wüsste, was sich gerade im gaza-streifen abspielt & was ich davon halte. Allein diese tatsache & dass der krieg durch viele fernseher in cafés, geschäften etc. & die stetige berichterstattung auf vielen arabischen fernseh-kanälen wie al jazeera omnipräsent ist, finde ich zunächst einmal bemerkenswert. Hinzu kamen bekannte, die mir von ihrer wahrnehmung des konflikts erzählt haben, bspw. unser silat-meister, der u.a. aus diesem grund auf neujahrs-festlichkeiten verzichtet hat, und eine bekannte, die sagte, ihre ferien seien nicht gut gewesen, der konflikt habe sie sehr beschäftigt. Und seit Donnerstag nun auch die ersten –solidaritäts-demonstrationen, die ich selbst mitbekommen habe, u.a. an unserer fakultät, mit einem ordentlichen polizei-aufgebot, angeblich da diese im gegensatz zu einer anderen demo nicht genehmigt & nicht von der regierungspartei organisiert worden war. Es gab weitere demos in unserem viertel, v.a. von schülern, & einen versuchten solidaritäts-abend im städtischen theater, welcher aber durch polizei-einsatz so gerade eben verhindert werden konnte. Dies waren nicht die ersten demos, die ich hier miterlebt habe und ich werde mich mit urteilen über die möglichkeiten zu demonstrieren zurückhalten, aber allein das ausmaß der auseinandersetzung & identifikation mit dem palästinensisch-israelischen konflikt finde ich enorm. In den meisten gesprächen habe ich recht wenig kritische punkte zum thema hamas gehört & während einer demonstration wurden sogar sprechchöre zur unterstützung des bewaffneten widerstands durch die hamas gesungen… aus der wahrnehmung der palästinenser als „kolonialisierte & unterdrückte“ ist dies ja auch naheliegend. Dennoch fände ich die suche nach friedlichen kompromissen doch weitaus vielversprechender.
Großer themensprung: weihnachten & die ferien. War am heiligabend das erste mal seit einigen jahren mal wieder in einer kirche & hab die atmosphäre genossen – wer auch immer, er/sie erspare sich bitte den kommentar, dass ich erst nach tunesien gehen musste, um mal wieder eine kirche zu betreten ;-) leider hat der priester seine vermutlich dritten zähne nicht so recht auseinander bekommen, so dass ich nicht allzu viel von der predigt verstanden habe – mit meinen französisch-kompetenzen hatte das selbstverständlich nichts zu tun - aber licht, musik und weihrauch sowie das ewige aufstehen & sich wieder hinsetzen waren schon völlig ausreichend. Zudem bestanden chor & besucher zu 90% aus schwarzen & es waren auch einige eher sub-saharisch anmutende elemente im gottesdienst zu erkennen – der power-chor wurde u.a. von einer djembe-trommel begleitet & das beste bild des abends war wohl die ihre hüften zur musik kreisen lassende schwarze, die dem greisen priester einen geschenk-korb überreichte. Den rest des abends haben Manuel, Alex & ich bei Alex verbracht, gut gegessen & getrunken. Am nächsten tag sind Manuel & ich endlich in einen hammam, eine art sauna mit etwas moderateren temperaturen gegangen. Das war superentspannend, besonders wenn man bedenkt, dass die heizung in unserem foyer (noch?) nicht funktioniert & es dank der luftfeuchtigkeit recht ungemütlich werden kann. Beim nächsten mal werde ich vielleicht auch mal ne massage ausprobieren. Bis zum 28. habe ich mich dann schon mal ein wenig auf die klausuren vorbereitet, um am 28.12. dann mit Jesus, einem typen aus meinem arabisch-kurs, in richtung süden zu fahren. waren erst für zwei tage auf Djerba, welches nicht sonderlich „spektakulär“, aber dank höherer temperaturen, dem meer & dem wiedersehen mit Mohamed, einem bekannten aus der jugendherberge in tunis, sehr angenehm & entspannend war. Haben in der mal wieder sehr empfehlenswerten jugendherberge geschlafen, ein wenig die insel erkundet & Mohamed hat uns sein dörfchen und sein zuhause gezeigt. Anschließend sind Jesus & ich weiter in den süden tunesiens nach Tataouine gefahren. Landschaftlich sehr reizvoll, sowohl bergig als auch recht trocken & rau, wieder mal kamen karl may-erinnerungen auf. Auch dort haben wir in der netten jugendherberge gewohnt & sind von Tataouine aus in zwei umliegende alte bergdörfer gereist, die nicht mehr besiedelt sind, sondern deren ehemalige bewohnerschaft(Berber) nicht weit von dem alten dorf in einer „moderneren“ siedlung lebt. Landschaftlich mal wieder großes kino, aber wie schon beim table de jughurta blieben für mich zu viele fragen, was das leben der leute in den hoch gelegenen, in den fels geschlagenen häusern angeht, offen, um ein lebhaftes bild von dem zu bekommen, wie das leben dort einmal aussah & wie ihre lebenssituation nun aussieht. Einen guide hatten wir leider nicht gefunden, das war u.a. der preis dessen, nicht in eines der anderen, angeblich „touristisch besser erschlossenen“, stärker überfluteten dörfer zu fahren, aber gut, für das nächste mal habe ich meine lektion nun hoffentlich gelernt & werde mich intensiver um nen guide kümmern, ansonsten bleiben die besuche irgendwie eher auf dem „wow, geil, anders, fremd, exotisch“-level stehen.
So, sorry, dass es mal wieder so viel text geworden ist, bin aber halt nicht so der kontinuierliche schreiber. Zu den nächsten wochen nur so viel: kann nun pläne machen, wie ich den rest meiner zeit hier nutzen möchte, genügend spannende möglichkeiten gibt’s in jedem fall.
All right, Euch allen nur das beste & ein frohes neues jahr übrigens auch noch!

david

Dienstag, 23. Dezember 2008

Schafe überall – Aid El Itha

So, nach langer ruhe mal wieder ein paar neuigkeiten, wobei sie z.T. auch nicht mehr so aktuell sind. zunächst einmal wären da der 8., 9. & 10. Dezember zu erwähnen, während derer die uni ausfiel & das opferfest, das wichtigste fest im islamischen kalender, gefeiert wurde (erinnert daran, wie Abraham von gott aufgefordert wurde, seinen sohn zu opfern & nachdem er sich dazu durchgerungen hatte, gehorsam zu sein, gott ihn in letzter sekunde stattdessen ein schaf schlachten ließ) es war zunächst einmal ein angenehm ruhiges, verlängertes wochenende. die tage zuvor konnte man die vorbereitungen auf das fest schon allerorten in Tunis sehen & hören, denn überall wurden schafe verkauft, nach hause transportiert & abends hörte ich oft ihr blöken von den balkonen. Ali, ein „angehender Freund“ aus der uni hatte mich für den Montag zu seiner familie eingeladen & ich durfte der schlachtung (nicht so toll ;-), dem anschließenden grillen & familien-essen beiwohnen. Ich wurde mal wieder mit gastfreundschaft überhäuft & konnte endlich mal ein bißchen mehr familien-leben miterleben. Die mutter & Alis schwestern verbrachten wohl einen großteil des tages in der küche, um verschiedenste mehr oder weniger typische opferfest-gerichte zuzubereiten. Spannend fand ich v.a., dass wirklich fast alles vom schaf verwendet wird – auf das angebot gegrillter hoden kam ich aber nicht zurück, obwohl mich die evtl aphrodisierende wirkung schon interessiert hätte ;-) Alis Familie ist sie nicht, aber es gibt familien, in denen auch die familien-juwelen ihre verwendung finden. Ali & ich verbrachten den tag dann damit, gut zu essen – hausmannkost ist halt doch was anderes als das, was ich mir sonst so auf der straße oder in den günstigen restaurants gönne – und fotos anzuschauen, musik zu hören etc. es gibt wohl auch einige typische lieder für das opferfest, was mich ein wenig an weihnachten erinnerte, auch wenn es bei weitem nicht so viele zu sein scheinen. Ach ja, das schaf soll natürlich mit respekt behandelt werden, radio Mosaik hat sogar nen wettbewerb organisiert, wessen schaf das schönste ist.
Was gab es sonst so in den letzten wochen?
Die „journées du cinéma européen“ hatten einige tolle filme zu bieten, u.a. „cinecitta“(tunes. Banküberfall-komödie mit großem humor), „northern light“(niederl.(klar;-), vater-sohn-beziehung nach tod der mutter), „am ende kommen die touristen“(dtsch-poln. Film über zivildienst in Oswiecim, ehemals ausschwitz), „un franco, 14 pesetas“ (span. Film über arbeitsmigranten in der schweiz) – und bald geht’s mit den russischen filmtagen weiter, wobei ich mich dank meinem mitbewohner Mattoussi gerade eigentlich mehr für das tunesische kino bzw (halb so selbstgefällig) für tunesische filme interessiere – ist ja auch nicht so weit hergeholt ;-)
Ach ja, mittlerweile ist es hier gelegentlich arschkalt, zumindest gefühlt dank der hohen luftfeuchtigkeit. Aber heute hab ich gesehen, dass es trotzdem noch 16° grad waren. Hätte dennoch wärmere klamotten einpacken sollen, na ja, beim nächsten mal.
Hab meine ersten arabisch-prüfungen gut hinter mich gebracht. nach den 14 tagen ferien, die es hier für die schulen & unis gibt, geht’s anfang januar direkt mit drei klausuren an der uni weiter, wobei das ein bißchen lotterie-spielen wird, da es sich um modul-klausuren handelt, in denen ein kurs des moduls nach dem zufallsprinzip geprüft wird, und ich nur jeweils an einem der kurse der module teilgenommen habe, da der jeweils andere auf arabisch war. Aber gut, on verra…
Mir geht’s grad recht gut, genieße die ruhe in „meinem“ zimmer, die sich sonst, wenn Mattoussi da ist, eher selten bei mir einstellt. Die meisten bewohner des foyers sind nach hause gefahren & nur die internationalen studierenden sind geblieben, will heißen derzeit Manuel, Hassan (Burundi) & ich. Und ich werde in den nächsten tagen noch ein wenig zeit haben, mich mit neuen bekannten zu treffen & 5 grade sein zu lassen.
Euch allen erst mal ein paar schöne weihnachtstage!
Liebe grüße!

david


fotos:
die nachgereichte, gepimpte ente inklusive fahrer und Alex vor dem table de jugurtha

ausflug ins restaurant, in dem Mattoussi seine "restaurant-manager-pruefung" zu bestehen hatte; war sehr angenehm und lecker; beteiligt: Manuel, Alex, Martina und ich

El Mattous, mein mitbewohner

"mein chill out-point" im parc de belvedère, mit ausblick ueber tunis, dazu pick-nick und hermann hesse

Ali, schlachter und schaf

Ali mit seinen Eltern

Che war Esperance-fan









Montag, 17. November 2008

Kurzurlaub zum 21. Jahrestag…

…der friedlichen revolution, die den augenblicklichen präsidenten an die macht gebracht hat. Anlässlich dieses jahrestags hatten wir ab Donnerstag vorletzter woche (bin mal wieder etwas spaet dran) frei und Alex, ein belgischer arabisch-Student an der Bourguiba-School, und ich sind früh morgens in den nordwesten nach El Khef gefahren, um dort wandern zu gehen. Von dort sind wir noch ein wenig weiter gefahren, um nahe der algerischen grenze das 1200m messende hochplateau „table de Jugurtha“ zu besteigen. Aus dem angenehm ruhigen dorf, wo wir mit einer „louage“, einem kleinbus, angekommen sind, waren es dann nur noch ca. 5 km, die landschaftlich schon recht ansprechend waren. Und auch die dörfliche atmosphäre war toll & gutes kontrastprogramm zu Tunis – welches mir aber trotz der gelegentlichen kommentare über seinen lärm etc. immer noch gut gefällt. Es gab ein paar äußerst höfliche & interessierte kinder, die uns den weg zum aufstieg aufs plateau zeigten. Von dort oben hatten wir einen tollen ausblick & ein etwas wortkarger ortsansässiger führte uns ein wenig herum, zeigte uns die in den fels geschlagenen höhlen und wasserbecken, die den wechselnden ehemaligen bewohner-gruppen, u.a. Berbern, erlaubten, dort ihr vieh zu halten – wie auch immer sie es zuvor über die steilen stufen dorthinauf gebracht hatten – und langen belagerungen standzuhalten. Ebenso sahen wir einen marabut, das grabmal eines islamischen heiligen. Leider blieb die vorstellung vom leben dort oben für mich etwas leblos, doch das war ja auch nicht der hauptgrund unseres besuchs. Den ausblick in richtung algerien und über das übrige umland konnte ich jedenfalls genießen – obwohl es recht kalt da oben war. Die Berge dort sind etwas ungewöhnlich im vergleich zu dem, was ich bisher so gesehen habe, da es oft keine durchgehenden gebirgsketten gibt, sondern einige große „brocken“ mitten in die landschaft gepflanzt sind. Beim abstieg vom table haben wir dann einen franzosen getroffen, der mit seiner „gepimpten“ ente durch tunesien tourt und uns später auf unserem weg in richtung des nächsten südlich des table gelegenen dorfes nochmals begegnete und erzählte, er habe eine ganze zeit lang ein polizei-auto als eskorte hinter sich gehabt – für uns ein kleiner vorgeschmack auf den nächsten tag. Wir wussten leider nicht so genau, wo und in welcher entfernung wir den nächsten ort finden würden, wo wir übernachten könnten, da unsere karte nicht so besonders informativ war & die leute vor ort uns meist nur die grobe richtung zeigten. Aber wir verließen uns darauf, dass es schon klappen würde & wir zur not halt irgendwo fragen müssten, ob wir in einem schuppen oder so übernachten könnten. Als es dann so langsam dämmerte & der nächste ort nach auskunft der „locals“ noch ein ganzes stück entfernt war, fingen wir an zu trampen & wurden auch ein gutes stück von einem netten mann mitgenommen, dessen sohn unseretwegen seinen platz auf dem beifahrersitz aufgeben und sich mit dem schoss seines vaters und dem lenkrad vor der nase zufrieden geben musste. Die beiden fuhren unseretwegen extra ein stück weiter, als eigentlich beabsichtigt. Auch wenn sie uns einige kilometer mitgenommen hatten, so war es anschließend doch noch ein ganzes stück zu fuß und es war schon dunkel, als wir nach einigen kilometern wieder glück hatten, und auf einem pick-up mit ins nächste dorf genommen wurden. Die vorherige ungewißheit zahlte sich nun in form von einem großartigen moment hinten auf dem pick-up aus, währenddessen wir die schöne landschaft endgültig in der nacht versinken sahen und ihre spärliche beleuchtung durch halbmond und sternenhimmel genießen konnten. Der gute junge mann bot im nächsten dorf auch noch an, uns gegen ein annehmbares entgelt in die nächste stadt namens Thala zu bringen, denn in dem dorf oder der kleinstadt gab es wie vermutet kein hotel. Im hotel in Thala angekommen konnten wir dann den tag mit einem bier zum abendessen ausklingen lassen, welches in dieser gegend – wie uns später erklärt wurde – wegen der kälte gern und anscheinend auch in ordentlichen mengen getrunken wird ;-)
Am nächsten tag fragten wir noch in Thala (übrigens auf gut 1000m gelegen & nachts verdammt kalt) einen polizisten – großartige idee ;-) – nach dem weg nach Kasserine und wurden prompt um unsere personalausweise gebeten und nach einigen telefonaten wollte man uns mit dem auto nach Kasserine fahren. Nachdem wir dann aber klargemacht hatten, dass es uns gerade ums zu fuß gehen ging, gaben sich die besorgten ordnungshüter dann aber mit unseren telefonnummern zufrieden und versprachen, uns regelmäßig anzurufen. Und sie sagten uns, wir sollten den großteil der strecke auf der hauptstraße bleiben, was trotz der schön rauhen landschaft mit vielen fruchttragenden kakteen nach einiger zeit etwas monoton wurde, aber zumindest von den anrufen verschiedenster ordnungshüter – polizei Thala, garde national… - und den häufigen angeboten vorbeifahrender leute, uns mitzunehmen, aufgelockert wurde. Und irgendwann begegneten wir dann auch dem ersten polizeiauto, dessen insassen uns das übliche angebot unterbreiteten. Wenig später, laut karte nach 30 km auf der hauptstraße, bogen wir endlich ab auf eine kleinere straße, die uns in eine weitere kleinstadt führen sollte, von wo wir dann eine louage nach Kasserine nehmen wollten. Die gegend war noch schöner & ruhiger, doch von nun an hatten wir auch unsere aus verschiedenen autos bestehende polizei-eskorte, die uns folgte oder zumindest alle paar minuten an uns vorbeikam & um unser wohlbefinden besorgt schien. Als wir unsere mittagspause einlegten, parkte ein auto ca. 200 m entfernt und kam nach ca. 40 minuten zu uns herübergefahren – die immer äußerst freundlichen polizisten ermahnten uns, wir müssten nun aber wirklich los, sonst würde es nichts mehr mit der louage nach Kasserine. Also machten wir uns auf den weg und beteuerten von nun an immer wieder, wir würden uns beeilen, wenn die guten männer uns mitnehmen wollten. Nach abermals 10 km kamen wir an & wurden von einem der polizisten zur louage-station geleitet und freundlichst verabschiedet. Die fahrt führte durch eine abermals phantastische landschaft nach kesserine, welches zwischen drei bergen, darunter mit dem Djebel Chambi der höchste berg tunesiens, gelegen ist. was uns die ehre unserer persönlichen eskorte verschaffte, war uns nicht 100%ig klar & wir haben verschiedene erklärungen parat – die angst davor, dass touristen verschwinden könnten, ist seit der entführung einiger österreichischer touris mitte diesen jahres wohl gut verständlich, erst recht an der algerischen grenze, auf deren anderer seite nicht gerade ruhe zu herrschen scheint. Laut auskunft des auswärtigen amtes beginnt die gefahrenzone aber erst ein ganzes stück weiter südlich, sowohl in Tunesien wie in Algerien. Aber auch die theorie eine grenzpsychose, die wohl jeder polizeistaat hat, scheint nicht so völlig abwegig – oder die übereinkunft der beiden regierungen, sich gegenseitig gegen internationale aufmerksamkeit bspw. in form von berichterstattung über die jeweiligen krisengebiete, zu schützen. Wie dem auch sei, hoffentlich haben wir den polizisten nicht allzu viel probleme bereitet – hätten sie ja nach all ihren mühen gerne noch zu nem tee eingeladen, aber wir sollten ja möglichst bald weiterziehen. Die nacht verbrachten wir in nem netten hotel, wieder bier zum abendessen – bei anderen auch schon zum frühstück ;-) - und nach 12 std schlaf ging es per louage zurück nach tunis.
Dort angekommen, bin ich dann abends noch auf ein konzert gegangen, welches schon den ganzen tag gedauert hatte. Leider kam ich zu spät, um cover-versionen von coldplay und rage against the machine zu hören, aber die gruppen, die ich sehen konnte, waren auch schon den eintritt und die schweren beine wert. Und v.a. der eindruck der hiesigen „rock-szene“. Habe mich dort mit Ali, einem englisch-studenten von meiner fakultät, und seinen freunden getroffen. Nach einer für mich recht unspektakulären band kam mit „gultrah sound system“ richtung leben ins publikum – ihre art reggae mit geige ging gut ab & die leute haben ordentlich getanzt – ihre mwspace-seite hat leider noch nicht allzu viel zu bieten. Anschließend kamen zwei elektronische gruppen, die mit dem rock-publikum zwar so ihre schwierigkeiten hatten, aber nach einiger zeit doch so einige leute zum tanzen bringen konnten, u.a. auch Ali, seine Freunde & mich. Und die kondome ins publikum warfen (unbedeutendes detail am rande – wie so vieles). Alles in allem ein gelungener abend.
Am nächsten tag habe ich mir dann noch mit Ali & Murat und zwei cousins von Ali das derby zwischen den zwei größten fußball-clubs von tunis angeschaut – club africain vs. Esperance de tunis, 2:2. War unspektakulär, aber sehr nett, u.a. weil wir uns nett unterhalten haben und ich ein bißchen das gefühl von alltag bekommen habe, nach dem ich derzeit ein wenig bedarf habe.
So werde ich denn nun auch erst mal in tunis bleiben & zu arbeiten anfangen, die literatur-listen sind lang & v.a. zieht es sich hin, die bücher zu beschaffen & in lexikon-begleitung zu lesen.
Also, lasst es Euch gut gehen! und haut mal ein paar kommentare raus, wenn Ihr lust habt - bin schon so lange nicht mehr auf deutsch angepöbelt worden ;-)



zu den fotos:
blick auf und vom plateau, richtung Algerien

franzose mit umgebauter ente

morgendlicher blick ueber Thala

endlose strasse, mit Bushaltestelle und Alex

Kakteen und Kaktus-Feigen ueberall

ankunft in Kesserine













Mittwoch, 12. November 2008

Kino-Flash…

Ich möchte hier gar nicht in die details des hiesigen film-festivals einsteigen, aber dennoch ein paar wenige sätze zu diesem für mich großartigen event verlieren. Die Journées Cinématographiques de Carthage (JCC) finden hier jedes zweite jahr statt und hatten zumindest in diesem jahr einiges zu bieten. Filme aus aller herren länder und besonders viele werke, die in wahrscheinlich nicht so leicht in europäischen kinos zu finden sein werden, bspw. eine kollektion palästinensischer filme unter dem motto „gegen das vergessen“ – fand einige dieser filme sehr interessant, da sie einige spannende, aber auch sehr harte eindrücke aus gebieten vermittelten, deren lebensumstände mich doch sehr an das erinnern, was ich so von der apartheit gehört & gelesen habe. Zugleich zeigten sie das leben einiger menschen, die sich oftmals militärischer gewalt bis willkür ausgesetzt sehen und dies in ihrem alltag bspw. mit sehr schwarzem humor behandeln. leider haben die filme, die ich gesehen habe, allerdings auch nur eine seite des konflikts & diese etwas schwarz-weiß beleuchtet – aber aus der perspektive derer, die sich gegen eine empfundene kolonisation wehren, erscheint das zumindest rational, wenn auch aus meiner sicht nicht gerade besonders hilfreich bei der suche nach kompromissen.
Einige filme die ich auf jeden fall ausdrücklich empfehlen kann, sind der schon erwähnte film „entre les murs“ – Nico & bwana, könnte mir gut vorstellen, dass er Euch sehr gut gefallen würde, tolle „nahaufnahmen“ der umgangsformen zwischen schülern & lehrern - , „lettres au Sahara“ – ausführliche & vielseitige schilderung der geschichte eines senegalesischen boots-flüchtlings & seines weges durch Italien - , „le sel de la mer“ – „liebesdrama“ mit besonderen hindernissen in Palästina/Israel - , „it’s a free world“ – harte kost von Ken Loach über eine job-vermittlerin, die ihre goldgrube unter neu angekommenen migrantInnen gefunden zu haben glaubt - , „recycle“ – doku über ehemaligen leibwächter verschiedener taliban-größen, die sein leben nach der rückkehr nach jordanien – in den geburtsort von al zarqaoui – sehr alltagsnah dokumentiert - , „le chaos“ von Youssuf Chahine – großes gefühlskino à la bollywood mit mehr als unterschwelliger kritik an den politischen machthabern Ägyptens – nicht, dass ich davon eine ahnung hätte, aber einige der kritikpunkte sind sicher auch für Tunesien gültig. Dazu kommen unzählige kurzfilme, wo dann auch das tunesische kino bei mir ganz gut punkten konnte, u.a. durch die doku über einen neunjährigen jungen, der mit begeisterung recht gewalttätige comics zeichnet, deren helden von superman, batman, spiderman & co. inspiriert sind und deren größter feind „busharon“ heißt. Zugleich zeigte sich der junge aber als recht friedfertig & sagte, dass ganze sei nur in seinem kopf, mit seinen zeichnungen könne man keinen krieg führen & in wirklichkeit möge er krieg nicht. Und die besorgten eltern… - die mediengewalt-debatte findet auch hier statt.
In jedem fall habe ich die zeit genossen, war aber nach der woche auch froh, einen abend bzw. eine nacht mit anderen internationalen studierenden halloween zu feiern, endlich mal wieder zu tanzen & mal keinen film zu sehen ;-)
Ein weiteres mediales highlight ist dann aber doch noch erwähnenswert – Dienstag nacht mit einigen anderen leuten, Manuel, Alex (Belgien) und einigen US-AmerikanerInnen, die wahlnacht live über CNN, BBC und Al Jazeera verfolgt – untermalt von der ersten intensiveren weinprobe hier in tunesien. Und morgens um fünf bei verkündung des vorläufigen ergebnisses und um sechs zur rede Obamas dann bewegende momente, als einige der Amis tränen in den augen hatten – und ich mich an den gedanken gewöhnen musste, auf einmal möglicherweise auf US-amerikanerInnen wegen ihres präsidenten neidisch zu sein ;-) – das ist immerhin ne ganz schöne kehrtwende.

Alles liebe hier von meiner seite erst mal, bald gibt’s was aktuelleres!
greetz


Zu den fotos – das russische kultur- und wissenschaftszentrum in tunesien hat eine ganz besonders ausgeklügelte strategie, wie es männliche studierende anzuziehen hofft.


Samstag, 25. Oktober 2008

Schnell noch…

…diesen eintrag verfasst, bevor morgen das internationale filmfestival von karthago so richtig los geht und ich mir zeit dafür nehmen möchte. Das ganze findet zwar in tunis statt, aber anscheinend ist karthago der bessere marketing-begriff. Das festival hat auf jeden fall ein tolles programm aufzuweisen, u.a. den letzten film von Youssef Chahine, dem kürzlich verstorbenen „spielberg“ der „arabischen welt“, der allerdings ein wenig politischer zu werke geht, zumindest nach all dem, was ich bisher gehört & gelesen habe. Freue mich auf meinen ersten seiner filme! Und ich kann „entre les murs“ sehen, einen französischen film über eine schulklasse in einem pariser vorort/banlieu, den ich mir schon gerne in montpellier angeschaut hätte. Und diverse tunesische filme. es gibt so unglaublich viele andere filme aus aller herren länder an jedem tag bis kommenden Samstag. Als einziger deutscher film ist glaube ich Fatih Akins „auf der anderen seite“ vertreten. Dafür gibt es unwahrscheinlich viele filme aus ländern afrikas und des nahen ostens. Ich bin supergespannt.
Ich habe vor mittlerweile zwei wochen meinen arabisch-kurs an der bourguiba-school angefangen und bin zumindest von der sprache sehr angetan, v.a. das alphabet zu lernen macht spaß und lohnt sich, denn so kann ich nun überall rätsel lösen, indem ich einfach nur versuche, schilder in der stadt, aushänge an der uni, beschriftungen auf verpackungen etc. zu lesen und mir ihre aussprache zusammenzureimen – auch wenn ich kein wort dessen verstehe. Aber einfach das system eines anderen alphabets zu checken ist ne schöne sache. Ich habe vier stunden unterricht pro woche und unser lehrer spricht nur arabisch, was ich vom anspruch her zwar nicht schlecht finde, aber es sorgt bei mir eben doch häufiger mal für unklarheiten und mißverständnisse und ich frage mich, ob das wirklich so besonders effektiv ist – nach meinen vorstellungen von effektivität, versteht sich ;-). Aber gut, ich habe hier im foyerund am institut, an der „fac“, einige leute, die mir bei fragen weiterhelfen können. in jedem fall nimmt mich der arabisch-kurs so einigermaßen in anspruch, denn es gibt immer etwas nachzuarbeiten, auswendig zu lernen etc.
Mittlerweile bzw. schon vor knapp drei wochen ist mein zimmergenosse eingezogen. Sein name ist Mattoussi und bisher „läuft es ganz gut zwischen uns beiden“. Die befürchtung, es könnte mir etwas an privatsphäre und ruhe mangeln, hat sich bisher noch nicht bestätigt. Er ist recht beschäftigt, er studiert tourismus und ist leidenschaftlicher bodybuilder. Haben uns letztens einen film über arnold schwarzeneggers sechsten titel als mister universum (?) angeschaut – hatte vor tunesien nicht gedacht, dass es dazu jemals kommen könnte, aber sein enthusiasmus war zu groß, um mich diesem film völlig zu entziehen ;-) übers wochenende ist er meist zuhause in seinem heimatort Mejez El Bab, ca. 50 km südwestlich von tunis. Sein vater und er haben mich nun schon mehrmals zu sich nachhause eingeladen und ich freue mich schon darauf, einen ausflug dorthin zu machen, um ihn und seine familie als auch die gegend näher kennenzulernen.
Bin bisher nur dort hindurchgefahren, als ich am letzten wochenende(Samstag bis Montag) einen ausflug nach Tabarka und Ain Draham im nordwesten tunesiens unternommen habe. Fantastische fahrten durch tolles, grünes, aber dennoch oft etwas rauh wirkendes bergland – ich fühlte mich oftmals an karl may-verfilmungen erinnert, auch wenn diese meines wissens nach v.a. im ehemaligen jugoslawien aufgenommen wurden. Tabarka ist eine nette kleinstadt, die direkt am mittelmeer liegt, mit der Kroumirie, der bergregion des nordwestens, im rücken. Derzeit wird dort kräftig gebaut, um die stadt zum nächsten touristen-zentrum auszubauen, aber derzeit scheint sich deren präsenz noch in grenzen zu halten, wohl auch angesichts der jahreszeit – auch wenn die gefühlten 28 ° mir locker reichten, um ne runde schwimmen zu gehen. Ich habe v.a. die ruhe genossen, im gegensatz zum oft lauten und etwas hektisch wirkenden tunis – auch wenn es dort schön ruhige ecken gibt. alleine zu reisen war abgesehen von ein wenig einsamkeit am Samstag abend auch in ordnung. Am sonntag bin ich dann weitergefahren nach Ain Draham und die fahrt von Tabarka dorthin war schon ein absolutes highlight, das meine morgendlichen wanderbemühungen mit hoffnung auf tolle ausblicke in tabarka locker in den schatten stellte. Genau zu dieser zeit gab übrigens auch die batterie meiner kamera ihren geist auf, so dass es bisher leider nur ein foto der busfahrt gibt. aber ich möchte auch aus vielen anderen gründen gerne nochmal dorthin fahren und ein paar mehr tage dort verbringen. Das städtchen ist malerisch in den bergen der kroumirie gelegen, ist von den französischen kolonialherren gegründet und später zum erholungsort ausgebaut worden. Dort habe ich eine sehr nette und zudem günstige unterkunft in einem der in diversen städten des landes anzutreffenden „maisons de jeunesse“ gefunden und bin dann direkt auf den Dkebel Bir (1014m, immerhin, mit fernsehturm) gestiegen, von dem aus sich nochmals fantastische ausblicke über das umliegende bergland, stauseen in der umgebung, über die grenze bis nach Algerien und bis zum meer bei Tabarka boten. Überwältigend und eindrucksvoll genug, um dort den rest des tages zu verbringen. Auf meinem rückweg in die stadt habe ich dann noch eine interessante begegnung mit einer tunesierin und einem tunesier gehabt. Ich habe die beiden aufgeschreckt, als sie sich hinter einem felsbrocken versteckt hatten, auf den ich geklettert bin. Sie machten ein pick-nick und haben mir spontan etwas von ihrem obst angeboten. Ich wollte sie nicht stören, aber sie bestanden darauf und bei wirklich sonnengereiften birnen habe ich mich nicht lange bitten lassen – auch weil die situation zugleich sehr interessant wirkte. Die beiden erzählten mir dann anschließend von selbst davon, dass sie bereits seit einiger zeit eine geheime beziehung führen, obwohl beide verheiratet sind und kinder haben. Doch das stigma einer scheidung und die auswirkungen für die kinder halten sie von einer scheidung ab. Und dann sagte die gute frau auch noch, dass sie aber zumindest ein kind ihres freundes in und trotz ihrer ehe haben möchte – ob das ein witz war, weiß ich nicht so genau. Auf jeden fall war ich dankbar für das mir entgegengebrachte vertrauen und diesen kleinen einblick.
Den rest des tages habe ich in der stadt verbracht, u.a. anderem in einem netten straßen-café mit nem guten buch. Und am nächsten morgen ging es erholt und frisch zurück nach tunis.
Hier habe ich nun neben meinen fußballerischen aktivitäten auch was gefunden, wie ich mich anderweitig auspowern kann. Ich habe mit „silat seni gayong“, einer malaysischen kampfsportart, angefangen. Mal sehen, was aus diesem weiteren kapitel in meiner persönlichen geschichte kampfsportlichen aktionismus wird. Auf jeden fall ist das training sehr anstrengend, fordert disziplin und die leute machen einen netten eindruck. Viel weiß ich allerdings noch nicht über den sport und seine „philosophie“ selbst. Da wird mir aber der „meister“ sicher weiterhelfen können.
So, zeit essen zu gehen, Manuel wartet schon. Nen sandwich, couscousmit gemüse, pizza?! Mal schaun…
Lasst es Euch gut gehen!
david




Fotos:
blick ueber die kroumirie

aiguilles-felsen in tabarka

eindruecke aus tabarka

unterwegs